Ersol AG Aktie: Squeeze-out, Abfindung und Börsenende
Wer die Ersol AG Aktie sucht, findet keinen aktuellen Kurs. Das Papier des Erfurter Solarzellenherstellers verschwand 2009 vom Kurszettel. Davor lagen ein gefeierter Börsengang, eine Übernahme durch Bosch und der Zwangsausschluss der Kleinaktionäre. Der Beitrag ordnet die belegten Eckdaten ein.
Das Wichtigste kurz zusammengefasst:
- Börsengang: 30.09.2005 im Prime Standard Frankfurt, Ausgabepreis 42 Euro, Kürzel ES6.
- Kennnummern: ISIN DE0006627532, WKN 662753.
- Übernahme: Bosch erwarb 2008 zunächst 50,45 Prozent und bot 101 Euro je Aktie.
- Ende: Squeeze-out mit 102,77 Euro Abfindung, eingetragen am 07.09.2009, kein Handel mehr.
Die Aktie der Ersol Solar Energy AG: Börsengang und Aufstieg
Am 30. September 2005 startete der Handel im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Der Ausgabepreis von 42 Euro markierte das obere Ende der Preisspanne, der erste Kurs lag bei 65 Euro. Platziert wurden rund 3,7 Millionen Aktien, der Streubesitz betrug knapp 50 Prozent.
Getragen wurde die Fantasie von Siliziumlieferverträgen zu Festpreisen. Das schuf Planungssicherheit. In den ersten neun Monaten 2005 wuchs der Umsatz um 65 Prozent auf rund 43 Millionen Euro, das Ergebnis je Aktie stieg von 0,21 auf 0,48 Euro. Entscheidend war die ausgelastete Kapazitätserweiterung auf bis zu 25 Megawatt.
Die wichtigsten Stationen bis zur Übernahme lassen sich aus den offiziellen Unternehmensmeldungen rekonstruieren.
- 20.09.2005: Beginn der Roadshow mit einem Angebot von bis zu rund 3,7 Millionen Inhaber-Stammaktien, Konsortialführerin war die Deutsche Bank.
- 30.09.2005: Erstnotiz unter dem Kürzel ES6 mit der ISIN DE0006627532 im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse.
- November 2005: Neunmonatszahlen mit einem um mehr als 253 Prozent gestiegenen EBIT von rund 6 Millionen Euro.
- 27.06.2007: Beschluss einer Kapitalerhöhung um bis zu 10 Prozent, also bis zu 923.524 neue Aktien im Bezugsverhältnis 10:1.
- 18.07.2007: Abschluss der Platzierung zu 60 Euro Bezugspreis und 65 Euro für nicht bezogene Aktien, Erlös rund 56,2 Millionen Euro.
- 02.06.2008: Bosch sichert sich 50,45 Prozent von Ventizz und kündigt ein Angebot über 101 Euro je Aktie an.
- Sommer 2008: Veröffentlichung des Angebots mit Fristende am 8. August 2008, Bosch hatte an der Börse bereits weitere 27,72 Prozent erworben.
Bosch übernimmt: Preis, Prämie, Kursreaktion
Bosch zahlte dem Finanzinvestor Ventizz 546,4 Millionen Euro für 50,45 Prozent. Der Preis von 101 Euro je Stück, den der Konzern auch den übrigen Aktionären bot, lag 63 Prozent über dem Schlusskurs vom 30. Mai 2008 und bewertete das Unternehmen mit rund 1,1 Milliarden Euro.
Der Kurs sprang im TecDax um bis zu 64 Prozent und pendelte sich um 101 Euro ein. Das ist typisch: Nennt ein Käufer feste Konditionen, orientiert sich der Marktpreis an dieser Marke. Später firmierte das Unternehmen als Bosch Solar Energy AG, ein Detail, das Recherchen oft ins Leere laufen lässt.
Squeeze-out: Zwangsübertragung gegen Barabfindung
Im Juni 2009 hielt Bosch 97,07 Prozent der Aktien. Ab mehr als 95 Prozent erlaubt § 327a AktG den Ausschluss der Minderheit gegen Barabfindung. Das Verlangen ging am 27. März 2009 ein, die Höhe wurde am 10. Juni 2009 auf 102,77 Euro je Aktie festgelegt.
Berechnet wurde der Betrag anhand des durchschnittlichen Börsenkurses der drei Monate vor der Ankündigung, die Rechtsprechung verlangt dafür einen umsatzgewichteten Durchschnitt. Der Hauptversammlungsbeschluss lässt sich nicht mit dem Argument anfechten, die Abfindung sei zu niedrig. Dafür bleibt nur das Spruchverfahren vor Gericht.
Die wichtigsten Termine im Überblick:
| Ereignis | Datum | Detail |
|---|---|---|
| Erstnotiz | 30.09.2005 | Ausgabepreis 42 Euro, erster Kurs 65 Euro |
| Kapitalerhöhung | Juli 2007 | 923.524 neue Aktien, Bezugspreis 60 Euro |
| Einstieg von Bosch | 02.06.2008 | 50,45 Prozent für 546,4 Millionen Euro |
| Fristende Übernahmeangebot | 08.08.2008 | 101 Euro je Aktie |
| Squeeze-out-Verlangen | 27.03.2009 | Bosch hält mehr als 95 Prozent |
| Abfindung festgelegt | 10.06.2009 | 102,77 Euro je Aktie |
| Eintragung Handelsregister | 07.09.2009 | Amtsgericht Jena, Übergang kraft Gesetzes |
Ersol-Anteilsscheine heute: Was von ihnen bleibt
Handelbar ist nichts mehr. Seit der Eintragung gehören alle Anteile der Minderheit dem Hauptaktionär, die Börsennotiz sollte kurz darauf enden. Ein häufiger Irrtum: Aktuelle Kurse unter ähnlich klingenden Namen betreffen andere Firmen, etwa die Exasol AG mit der ISIN DE000A0LR9G9. Historische Kursdiagramme enden 2009 und sagen über heutige Ansprüche nichts aus.
Bosch und das Ende der Solarsparte
Die Minderheitsaktionäre schieden vor der späteren Krise aus. 2013 verkündete Bosch den Ausstieg aus der Photovoltaik, der aufsummierte Verlust lag bei 2,4 Milliarden Euro einschließlich 1,6 Milliarden Euro Sonderabschreibungen. Das Erfurter Solarwerk hatte Bosch zum Jahresende 2012 dichtgemacht. Wer 2009 die Abfindung erhielt, trug diese Verluste nicht mehr mit.
Prüfschritte bei alten Depotpositionen

Wer in alten Unterlagen auf eine solche Position stößt, klärt mit wenigen Schritten ihren Verbleib und vermeidet typische Verwechslungen und Denkfehler.
- ISIN DE0006627532 und WKN 662753 abgleichen, denn Kürzel wie ES6 oder ähnliche Firmennamen führen leicht zu Verwechslungen mit anderen Werten.
- Unterlagen auch unter dem Namen Bosch Solar Energy AG suchen, da das Unternehmen nach der Übernahme unter neuer Firma auftrat.
- Den 7. September 2009 als Stichtag notieren, weil ab der Handelsregistereintragung alle Minderheitsanteile kraft Gesetzes auf Bosch übergegangen waren.
- Die Abfindung nachrechnen: Stückzahl mal 102,77 Euro ergibt den Betrag, der für das jeweilige Depot zu erwarten war.
- Kontoauszüge und Depotabrechnungen vom Spätsommer 2009 prüfen, ob eine entsprechende Gutschrift verbucht wurde.
- Bei Unklarheiten die damalige Depotbank mit ISIN und Bestand anfragen, statt Foren oder Kursportalen zu vertrauen.
- Fragen zu gerichtlichen Nachbesserungen oder steuerlichen Folgen mit Fachanwalt oder Steuerberater klären, da diese Punkte aus den Unternehmensmeldungen nicht hervorgehen.
Häufige Fragen zum Thema (FAQ)
Wird das Papier noch an der Börse gehandelt?
Nein. Nach der Eintragung des Squeeze-out am 7. September 2009 gingen die Anteile der Minderheit auf Bosch über, die Börsennotiz sollte kurz darauf enden. Einen aktuellen Kurs gibt es deshalb nicht.
Wie hoch war die Barabfindung?
Bosch legte 102,77 Euro je Stück fest. Der Betrag entsprach dem durchschnittlichen Börsenkurs der drei Monate vor der Ankündigung im März 2009.
Was kostete ein Anteil beim Börsengang?
Der Ausgabepreis von 42 Euro lag am oberen Ende der Spanne. Am ersten Handelstag, dem 30. September 2005, notierte der erste Kurs bei 65 Euro.
Warum stieg Bosch aus dem Solargeschäft aus?
Ausschlaggebend waren anhaltende Milliardenverluste. 2012 lag das Minus bei gut einer Milliarde Euro, seit 2008 summierte es sich auf 2,4 Milliarden Euro. Die Entscheidung wurde 2013 bekanntgegeben.
Fazit
Die Ersol AG Aktie ist ein abgeschlossenes Kapitel der deutschen Solarbranche. Börsengang 2005, Bosch-Übernahme 2008, Squeeze-out 2009: Die Eckdaten sind durch Unternehmensmeldungen belegt. Für Altbestände zählen ISIN und Abfindung von 102,77 Euro je Stück, nicht die Kurse aktueller Portale. Wer Papiere findet, prüft zuerst die Depotunterlagen von 2009.
Quellen und offizielle Nachweise
- Ad-hoc-Mitteilung zur Eintragung des Squeeze-out: Offizielle Emittentenmeldung vom 7. September 2009 zur Eintragung beim Amtsgericht Jena und zur Abfindung von 102,77 Euro je Aktie.
- Hans-Böckler-Stiftung: Das Licht geht aus im Solar Valley: Einordnung des Bosch-Einstiegs 2008 und des Rückzugs 2013 durch die gewerkschaftsnahe Stiftung.
- IG Metall: Bosch Arnstadt muss leben: Verbandsseite zum angekündigten Ausstieg von Bosch aus dem Solargeschäft 2013.